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Sichtbar werden, Türen öffnen, Wege zeigen

Wie MELCHERS Rechtsanwälte Frauenförderung lebt – und warum Netzwerke für Anwältinnen kein Nice-to-have, sondern ein Muss sind.

Liebe Ilona, liebe Katharina, wir freuen uns sehr, MELCHERS Rechtsanwälte als neuen Kooperationspartner der Paragraphinnen Deutschland begrüßen zu dürfen! Bevor wir in die Themen einsteigen: Stellt euch und MELCHERS doch kurz vor – wer seid ihr, und was macht die Kanzlei aus?

Katharina Ebbecke: Sehr gerne! MELCHERS ist eine Full-Service-Wirtschaftskanzlei mit rund 50 Anwältinnen und Anwälten an den Standorten Heidelberg, Frankfurt, Mannheim und Berlin. Wir beraten Unternehmen und öffentliche Auftraggeber in allen Bereichen des Wirtschaftsrechts. Ich selbst bin Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Datenschutzrecht und außerdem zuständig für das Kanzleimarketing und Employer Branding von MELCHERS. Diese Kombination ist sehr spannend und macht mir viel Spaß.

Dr. Ilona Renke: Ich bin seit 2004 Partnerin bei MELCHERS und spezialisiert auf das Wirtschaftsverwaltungsrecht sowie das Vergaberecht.

Was MELCHERS für mich besonders macht: Es ist eine Kanzlei, die einen starken Fokus auf ihre Nachwuchsförderung setzt und hierbei die Leistung eindeutig über das Geschlecht stellt.   

 
Warum habt ihr euch entschieden, mit den Paragraphinnen zu kooperieren?

Dr. Ilona Renke: Weil wir die Mission teilen. Die Paragraphinnen schaffen einen Raum für Juristinnen, in dem Netzwerken, Austausch und gegenseitige Stärkung im Mittelpunkt stehen. Das ist auch MELCHERS ein wichtiges Anliegen. Wir wollen ein Zeichen setzen: als Kanzlei, die Frauenförderung nicht als Pflichtübung versteht, sondern aus echter Überzeugung lebt.

Katharina Ebbecke:  Und ich finde, Kooperationen wie diese sind ein wichtiger Teil des Wandels. Wir alleine können nur innerhalb unserer Kanzlei etwas bewegen. Aber wenn sich Kanzleien und Communities wie die Paragraphinnen zusammentun, können wir wirklich Veränderungen in der anwaltlichen Arbeitswelt anstoßen.

 
Was tut MELCHERS konkret für die Förderung von Anwältinnen?

Katharina Ebbecke: Unser zentrales Format ist der MELCHERS Women’s Brunch. Das ist weit mehr als ein nettes Treffen bei Kaffee und Croissants – auch wenn das Netzwerk dem jährlichen Anwältinnenbrunch seinen Namen verdankt. Wir veranstalten gemeinsame Aktivitäten, nehmen zum Beispiel zusammen am Mannheimer Frauen Charity Lauf teil, tauschen uns aus, machen Fortbildungen zu frauenspezifischen Themen und netzwerken innerhalb der Kanzlei. Das Format ist offen für alle Anwältinnen bei MELCHERS – egal welcher Karrierestufe.

Dr. Ilona Renke: Und hinter dem Women’s Brunch steckt ein klares Ziel: Wir möchten Anwältinnen langfristig in der Kanzlei halten und den Frauenanteil insbesondere auch in den höheren Karrierestufen erhöhen – nicht irgendwann, sondern aktiv und jetzt. Das bedeutet, dass wir Frauen bei der Vereinbarung von Familie und Beruf unterstützen und sie auf ihrem Weg nach oben begleiten. Der Women’s Brunch ist Teil dieses Konzepts.

 

Netzwerken ist ein großes Thema in unserer Community. Warum ist es gerade für Anwältinnen so entscheidend?

Dr. Ilona Renke: Weil Mandate sehr oft über persönliche Empfehlungen kommen. Wer kein Netzwerk hat, bleibt unsichtbar – und Unsichtbarkeit ist für die Karriere in einer Wirtschaftskanzlei fatal. Das gilt selbstverständlich für alle Berufsträger, aber Frauen hatten und haben oft noch einen strukturellen Nachteil: Viele der wirklich entscheidenden Gespräche finden immer noch in informellen Kontexten statt – wie etwa beim After-Work-Bier oder beim gemeinsamen Stadionbesuch. Diese Runden waren früher Männerrunden – und sie sind es in vielen Bereichen noch heute. Wer nicht dabei ist – und das waren und sind strukturell häufiger Frauen, sei es wegen familiärer Verpflichtungen, fehlender Einladung oder schlicht, weil man nicht zum gewohnten Bild gehört – bekommt eventuell den ein oder anderen Auftrag nicht, erfährt von Entwicklungen zu spät oder wird beim nächsten Mandat schlicht nicht als erstes angerufen. Das klingt vielleicht nach alten Zeiten – ist aber für viele Anwältinnen noch gelebte Realität. Dem kann durch weibliche Netzwerke effektiv gegengesteuert werden.

Katharina Ebbecke: Netzwerken ist also keine nette Zusatzoption, sondern ein strategisches Karriereinstrument. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass es Formate wie den Women’s Brunch oder Communities wie die Paragraphinnen gibt – Räume, in denen Juristinnen entsprechende Verbindungen aufbauen und sich vor allem auch beruflich austauschen können.

 
Das betrifft also auch das Thema Sichtbarkeit. Auf den oberen Karrierestufen in Wirtschaftskanzleien sind Frauen ja nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Wie erklärt ihr euch das?

Dr. Ilona Renke: Das liegt an vielen Faktoren, die sich gegenseitig verstärken. Mehr als die Hälfte der Jurastudierenden sind heute Frauen – das ist wunderbar. Aber auf dem Weg zur Partnerschaft verlieren sich viele. Fehlende Mentorinnen, schwierige Vereinbarkeit von Familie und den Anforderungen einer Wirtschaftskanzlei, und – vielleicht am meisten unterschätzt – das Fehlen von Vorbildern auf Partnerebene. Wenn ich als junge Anwältin keine Partnerin sehe, die meinen Vorstellungen entspricht, wird dadurch womöglich unterbewusst der Eindruck vermittelt, dass es schwierig werden könnte, dieses Ziel zu erreichen und diese Position auszufüllen.

Katharina Ebbecke: Und genau deshalb ist Frauenförderung für Kanzleien überlebensnotwendig – ich sage das ganz bewusst. Bei einer Mehrheit von Frauen unter den Jurastudierenden und einer immer noch klaren Minderheit in der Anwaltschaft und erst recht in Führungspositionen verlieren Kanzleien, die keine aktive Frauenförderung betreiben, den Anschluss im Kampf um die besten Talente. Das ist keine Sozialpolitik, das ist Kanzleistrategie.

 

Ilona, du bist seit über zwanzig Jahren bei MELCHERS und seit 2004 Partnerin. Was möchtest du jüngeren Kolleginnen auf den Weg mitgeben?

Dr. Ilona Renke: Sucht euch Mentorinnen – und zwar aktiv. Wartet nicht darauf, dass jemand auf euch zukommt. Ich weiß, das erfordert Überwindung, aber die meisten erfahrenen Kolleginnen freuen sich, wenn ihr Weg für jemanden relevant ist. Und: Baut Netzwerke früh auf, schon bevor ihr sie zu brauchen glaubt. Networking ist kein Notfallprogramm, sondern eine dauerhafte Investition.

Katharina Ebbecke: Ich würde hinzufügen: Seid neugierig auf euren eigenen Weg – und vertraut darauf, dass es kein Richtig oder Falsch gibt. Ich wollte im Studium immer in die Justiz. Dann kamen fünf Kinder, eine längere Familienpause und ich bin über das Kanzleimarketing und Employer Branding bei MELCHERS gelandet. Als 2018 die DSGVO in Kraft trat, habe ich das als meine Chance gesehen – ein Rechtsgebiet, in dem auf einmal eine große Nachfrage nach Rechtsberatung entstand und in dem die meisten Anwältinnen und Anwälte praktisch  bei null anfangen mussten. MELCHERS hat mir von Anfang an die Flexibilität gegeben, die ich für meine Großfamilie brauchte, und mich auf meinem Weg in die Datenschutzberatung aktiv unterstützt. Kein gradliniger Karriereweg – aber heute genau richtig für mich. Kurz: Karriere muss nicht so aussehen, wie wir es uns im Studium vorgestellt haben.

 

Was versprecht ihr euch von der Kooperation mit den Paragraphinnen?

Dr. Ilona Renke: Echten Austausch! Wir wollen nicht nur als Logo auf einer Seite auftauchen, sondern aktiv dabei sein – mit Inhalten, Veranstaltungen, Gesprächen. Die Paragraphinnen-Community ist lebendig und ambitioniert, und wir freuen uns darauf, Teil davon zu sein.

Katharina Ebbecke: Und ich hoffe, dass wir damit einen Beitrag leisten können, um die vielfältigen Karrierewege von Juristinnen sichtbarer und erreichbarer zu machen. Wenn auch nur eine Anwältin durch diese Kooperation einen Kontakt knüpft oder einfach mehr Mut für ihren eigenen Weg bekommt, dann hat sich das schon gelohnt.

Dr. Ilona Renke

Dr. Ilona Renke ist Partnerin bei MELCHERS und spezialisiert auf das Wirtschaftsverwaltungsrecht sowie das Vergaberecht. Sie ist die Antidiskriminierungs- und Diversity-Beauftragte der Kanzlei und für den Women’s Brunch verantwortlich. Neben ihrer Tätigkeit als Anwältin ist sie Lehrbeauftragte an der Universität Heidelberg.

Katharina Ebbecke

Katharina Ebbecke ist Associate im Bereich Datenrecht. Darüber hinaus ist sie für das Kanzleimarketing und Employer Branding von MELCHERS zuständig.