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Zwischen Legal Tech und interkultureller Kompetenz: Eine internationale Inhouse Karriere

Internationale Perspektiven, strategisches Denken und ein feines Gespür für Menschen prägen ihren Weg als Lead Lawyer bei Siemens.
Im Gespräch teilt Katja Schlosser, LL.M., wie Wandel zur Chance wird und warum Mut zur eigenen Entdeckungsreise entscheidend ist.

1. Du begleitest bei Siemens als Lead Lawyer seit mehreren Jahren unterschiedliche Geschäftsbereiche, unter anderem auch den  dynamischen Infrastruktursektor. Wie hat Dich diese Vielfalt an Themen und der ständige Wandel, etwa bei der Digitalisierung aber auch mit Blick auf Nachhaltigkeit und Innovation, persönlich und beruflich geprägt?

Die Vielfalt bei Siemens hat mich gelehrt, Wandel nicht nur zu begleiten, sondern aktiv zu gestalten. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Innovation sind zentrale Treiber unserer Zeit – und als Lead Lawyer bin ich mittendrin. Ich bringe juristische Klarheit in komplexe Transformationsprozesse und verstehe Legal Tech nicht als Tool, sondern als strategischen Hebel. Dabei ist mir bewusst: Innovation braucht Struktur, aber auch Empathie. Der Mensch bleibt im Zentrum – gerade in Zeiten des Wandels.

 

2. Während Deiner Ausbildung hast Du mehrere Stationen in Singapur absolviert. Was hat Dich an Asien fasziniert, und welchen Einfluss hatten diese Erfahrungen auf Deinen weiteren Karriereweg? Welche Rolle spielt der internationale Kontext, etwa durch Deine Entsendung nach Dubai oder den LL.M. in London, für Deine Arbeit heute?

Mein Weg ins Internationale war eine bewusste Entscheidung, die schon im Studium der Südostasienkunde begann. Meine Stationen in Singapur, Dubai und London waren die logische Fortsetzung. Dort habe ich gelernt, dass man die feinen kulturellen Nuancen verstehen muss, um global erfolgreiche Strategien zu entwickeln. Das kann bedeuten, in einer Verhandlung das Bedürfnis nach Konsens stärker zu gewichten, was am Ende zu einem stabileren Vertrag führt. Für mich bedeutet juristische Exzellenz heute genau das: die Synthese aus tiefem Fachwissen, strategischem Weitblick und dieser gelebten interkulturellen Kompetenz.


3. Du hast vor Kurzem eine Coachingausbildung abgeschlossen – ein Schritt, der zeigt, wie wichtig Dir persönliche Weiterentwicklung ist. Was hat Dich dazu bewegt, diese Ausbildung zu machen? Was hat sie bei Dir selbst ausgelöst und wie nutzt Du das Gelernte heute in Deinem juristischen Alltag?

Die Rolle des Inhouse-Juristen wandelt sich fundamental – vom Rechtsexperten zum strategischen Business Partner. Meine Ausbildung zum Legal Coach war meine Antwort auf diese Entwicklung. Die größte Erkenntnis für mich war: Die besten Lösungen schlummern oft schon im Team. Meine Aufgabe ist es, mit den richtigen Fragen den Raum zu schaffen, damit diese Lösungen ans Licht kommen. Genau diese Fähigkeit setze ich heute ein, um in Verhandlungen Vertrauen aufzubauen, die Akzeptanz für Legal Tech zu fördern und komplexe Stakeholder-Landschaften souverän zu navigieren.

 

4. Was würdest Du jungen Juristinnen raten, die von einer internationalen Inhouse-Karriere träumen und vielleicht selbst einmal in Asien oder im Nahen Osten arbeiten möchten?

Seht Euren Werdegang nicht als starre Leiter, sondern als Eure persönliche Entdeckungsreise. Das ist mein wichtigster Rat an Euch: Seid mutig genug, auch mal einen Pfad abseits der ausgetretenen Wege zu wählen – sei es ein fachfremdes Studium, ein Praktikum in einer völlig anderen Kultur oder ein Job Swap. Sucht bewusst die Reibung zwischen den Kulturen und Disziplinen, denn genau dort findet Euer größtes Wachstum statt. Dieser Entdeckergeist macht Euch nicht nur zu besseren Juristinnen, sondern zu strategischen Beraterpersönlichkeiten, die überall auf der Welt einen Unterschied machen können. Das ist der Weg, der mich geprägt hat und dem ich bis heute treu bin.

Ein Entdeckergeist war schon immer mein Kompass: vom Studium der Südostasienkunde bis zur Kartierung neuer rechtlicher Wege für die Digitalisierung. Als Lead Lawyer und zertifizierter Legal Coach navigiere ich heute an der Schnittstelle von Technologie, Wirtschaft und Mensch. Denn im Kern bringe ich Struktur in Innovation und Empathie in Verhandlungen – international, digital und mit Blick fürs große Ganze.

Katja Schlosser, LL.M.

Katja Schlosser, LL.M., ist Syndikusrechtsanwältin bei Siemens und Expertin für internationales Wirtschaftsrecht mit Fokus auf digitale Geschäftsmodelle und Legal Tech. Ihr Weg führte sie von der Südostasienkunde zur Juristeri.