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Back to the Roots: Zwei Generationen. Ein unschlagbares Mutter-Tochter-Duo.

Katharina und Julie Charlotte Göcken, ein Mutter-Tochter-Duo, über Jahrzehnte Erfahrung, frischen Blick und den Mut, den eigenen Weg in die Anwaltschaft zu gehen. Das Bild zeigt Katharina (links) und Julie Charlotte (rechts) nach der mündlichen Prüfung zum zweiten Staatsexamen, mit 32,5 Jahren Unterschied.

Interview Katharina Göcken
Warum hast du dich für die Selbständigkeit entschieden?

Die Entscheidung für die Selbständigkeit war für mich immer ganz klar. Ich habe damit meinen -seit der Kindheit- gewünschten Traumberuf ergriffen, möglicherweise beeinflusst durch den Beruf meines Vaters … eines Anwalts. Ich wollte immer selbst als Verantwortliche die nötigen Entscheidungen treffen und umsetzen können. Eine abhängige Tätigkeit kam für mich daher nie wirklich in Frage.

 

Wie ist es dir gelungen, die Rolle als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern mit deiner Tätigkeit als selbständige Rechtsanwältin zu vereinbaren?

Ehrlicherweise haben meine beiden Töchtern Julie und Natalie (heute 29 und 27 Jahre alt) den Großteil ihrer Kindheit – zusammen mit mir und/oder Mitarbeiten – in der Anwaltskanzlei verbracht. Gerade diese Möglichkeit sehe ich aber eher als Chance für eine alleinerziehende Frau, neben der Erfüllung des Kinderwunsches gerade auch ihren beruflichen Zielen uneingeschränkt nachzugehen.

 

Auf welchen beruflichen Erfolg bist du besonders stolz?

Ich bin eigentlich immer wieder stolz, wenn z.B. wieder ein Verfahren zugunsten der Mandanten entschieden und abgewickelt werden kann. Sicherlich gibt es besonders einprägsame Einzelfälle, wie z.B. bei drei fristlosen Kündigungen der Arbeitsverhältnisse von Mandanten als Flugzeugmechaniker einer deutschen Fluggesellschaft vor vielen Jahren, die ich für die drei Mandanten vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf angefochten und zunächst alle verloren habe! Dagegen bin ich in die Berufung zum Landesarbeitsgericht Düsseldorf gegangen und habe dann nur teilweise obsiegt, bemerkenswerterweise noch mit unterschiedlichen Begründungen. Letztendlich bin ich dann in Revision gegangen zum Bundesarbeitsgericht und habe dort alle drei Verfahren vollumfänglich zugunsten der Mandanten gewinnen können, die dann tatsächlich nach Ablauf von ca. drei Jahren wieder ihre Arbeitstätigkeit aufnehmen und fortsetzen konnten. Das ist einer dieser Sonderfälle, die einem lange im Gedächtnis bleiben und an dem man auch wieder erkennen kann, dass sich das Kämpfen und Durchbeißen durchaus lohnen kann.

 

Wie gehst du mit schwierigeren Mandanten/Verfahrensparteien um?

Da es bei unserer Berufstätigkeit eben auch heftige Konflikte geben kann, muss man sich dessen bewusst sein, dass man natürlich besonders von Gegnern stark angefeindet werden könnte. Das kann auch in bedrohliche Situationen ausarten, die es insbesondere in hochstreitigen Familiensachen oftmals gibt. Insoweit habe ich bereits häufiger vor konfliktversprechenden Gerichtsverhandlungen die Begleitung von Wachtmeistern beantragt.

Auch wollte mich vor vielen Jahren einmal ein unterlegener Gegner in der damals an der Königsallee befindlichen Kanzlei besuchen, wurde aber von den Sekretärinnen abgewiesen, da diese schon ein komisches Gefühl bei dem Auftritt dieser Person hatten. Als er sich umdrehte und zum Ausgang ging, zeigte sich, dass er hinter seinem Rücken eine Axt verborgen hatte. Solche Vorfälle kann es geben. D. h. aber nicht, dass man Konflikten ängstlich aus dem Weg gehen sollte. Es ist nur wichtig, etwaige Risiken einzuschätzen und sich gleichzeitig zu schützen. In dem oben genannten Fall habe ich wohl einfach Glück gehabt.

In einem anderen Fall wurde ich von einem Staatsanwalt gebeten, eine Strafverteidigung für einen Ex-Mandanten zu übernehmen. Eigentlich bin ich nicht als Strafverteidigerin tätig, ich wurde aber gebeten, dennoch diese Verteidigung zu übernehmen, da der Angeschuldigte, d. h. mein Mandant, als Kronzeuge in einem großen Strafverfahren gegen eine bekannte Rockergruppe dringend benötigt wurde. Ich sollte also mitwirken, einen Deal auszuhandeln. Das habe ich dann auch erledigt, aber mir war höchst mulmig dabei zumute, da während dieser Strafverhandlung im Gerichtsaal fünf schwer bewaffnete Polizisten mit Maschinenpistolen unmittelbar neben uns standen sind. Das war schon seltsam.

 

Was bedeutet es für dich persönlich, dass deine Tochter in deine Kanzlei als Anwältin einsteigt?

Ich bin absolut dankbar und stolz, dass sie diesen Beruf gewählt hat, für den sie im Übrigen bestens geeignet und qualifiziert ist. Es ist eine wunderbare Unterstützung, wobei wir zusammen mit einem kleinen und sehr effektiven Team von Mitarbeiterinnen arbeiten, was jeden Tag viel Spaß macht und außerdem sehr erfolgreich ist.

 

Wie hat sich eure Beziehung durch die gemeinsame Arbeit verändert?

Die Mutter-Tochter Beziehung zwischen uns hat sich durch die gemeinsame Arbeit in der Kanzlei eigentlich nicht wesentlich verändert. Nach meinem Eindruck war unser Verhältnis zueinander eigentlich immer so. Ich (Kati) habe immer schon meinen Kindern von Fällen aus der Kanzlei abstrakt erzählt. Wir haben immer schon über solche Dinge diskutiert. Das machen wir natürlich auch heute, wobei man auch einsehen muss, dass es eine klare Trennung zwischen privaten und beruflichen Themen so nicht geben kann.

Ich glaube ehrlicherweise aber auch nicht, dass unser Modell grundsätzlich auf alle anderen Familien übertragbar ist. Unsere familiäre Geschichte, d. h. dass ich als alleiniges Elternteil meine Kinder zum großen Teil in der Kanzlei mit großgezogen habe, hatte sicherlich einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wir auch jetzt im beruflichen Rahmen miteinander umgehen können. Ob das in anderen Familien gelingen kann, muss wohl im Einzelfall erst einmal getestet werden.

Interview Julie Charlotte Göcken:
Wie hast du den Übergang vom Referendariat in den Berufsalltag erlebt?

Der Übergang war bei mir ziemlich nahtlos, sodass es mir leichtfällt, einen Vergleich zu ziehen. Zwar trägt man als Referendar/in bereits verantwortungsvolle Aufgaben; von dem Zeitpunkt an, ab welchem ich als Rechtsanwältin tätig war, war dies für mich aber noch einmal ein ganz anderes Gefühl, wenn man dann selbst Entscheidungen trifft. Auf der anderen Seite hat man auch so lange darauf gewartet, fertig zu sein, und dann ist man plötzlich auch schon mittendrin. Es ist schön, endlich den Fokus auf die praktische Tätigkeit legen zu können und nicht ständig im Hinterkopf zu haben, wann die nächsten Klausuren anstehen.

Wie reagiert das berufliche Umfeld auf die Mutter-Tochter-Kombination?

Ich habe häufig den Eindruck, die Leute freuen sich, wenn die nächste Generation als weitere Ansprechpartnerin da ist. Diese Kombination ist auch oft Gesprächsthema und die Leute sind interessiert. Hin und wieder verwechseln die Leute uns auch am Telefon, da unsere Stimmen wohl sehr ähnlich klingen. Unsere Kombination sorgt aber auch bei Gericht gelegentlich für Erheiterung und auch Interesse, besonders, wenn wir mal zusammen auftreten und dann zu Protokoll genommen wird, wer ich bin. Nachdem aufgenommen wird, dass als Vertreterin für die Partei Frau Rechtsanwältin Göcken anwesend ist, werde ich dann nach meinem Namen gefragt. Eine von uns sagt dann etwa: „Auch Frau Rechtsanwältin Göcken.“. Häufig wird dann nochmal verwirrt nachgefragt. Unlängst ist es aber auch vorgekommen, dass ich alleine bei einer Verhandlung aufgetreten bin und – der Richter hatte mich bereits ins Protokoll aufgenommen – ich noch klarstellen wollte, dass ich aber Frau Rechtsanwältin Göcken junior bin. Er sagte mir dann, dass ihm das völlig klar wäre, ich würde meiner Mutter aber durchaus ähnlichsehen. Es erstaunt mich immer wieder, wo man erkannt wird!

Was sind für dich die größten Vorteile einer Kanzlei im Familienbetrieb?

Als Berufsanfängerin ist es sicherlich normal, dass man noch viele Fragen hat. Gerade in dieser Hinsicht habe ich aber das Gefühl, dass ich von unserer Situation sehr profitieren konnte und kann, da ich mich nicht scheuen muss, alle Fragen zu stellen, die mir in den Sinn kommen. Ich lerne hier aber nicht erst seit dem Berufseinstieg vieles dazu, sondern schon seit vielen Jahren. So habe ich meine Mutter zum Beispiel auch schon zwei Mal zu Verhandlungen vor dem Bundesarbeitsgericht begleiten können.

Gemeinsames Interview:
Wo ergänzen sich die langjährige Erfahrung und der frische Blick besonders gut?
Katharina:

Meine jahrzehntelange Erfahrung hinsichtlich der Verfahrensabläufe und Einschätzung der Rechtslage sowie der Interessenlage aller Beteiligten und der frische Blick von Julie mit aktuellem wissenschaftlichem Hintergrund ergänzen sich nach meiner Auffassung bestens. Ich profitiere sehr von ihrer Perspektive und wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, dann wird das eben diskutiert.

Julie:

Mir fällt da eine Besprechung mit einer Mandantin in unseren Kanzleiräumen ein – sie war nur wenige Jahre älter als ich – die, nachdem meine Mutter Erfahrungswerte geschildert hatte, noch einmal nach der Sicht auf die Dinge aus meiner Perspektive fragte. Ich hatte hier den Eindruck, dass es zu den Erfahrungswerten meiner Mutter eine gute Ergänzung war, dass ich auch noch aus einer ihr ähnlichen Perspektive als junge Frau meine Einschätzung beitragen konnte.

Welchen Rat würdet ihr jungen Juristinnen heute geben?
Katharina:

Um Erfolg in unserem tollen Beruf zu haben, sollte man ruhig auf sein Gefühl hören, nämlich konkret was richtig ist und was falsch sein könnte. Können das Frauen vielleicht besser als Männer? Im Studium wurde uns damals abgeraten, nach unserem Gefühl vorzugehen, aber das habe ich nie berücksichtigt und bis heute auch nicht einmal bereut.

Außerdem muss man in gewisser Weise stur sein. D. h. nicht, dass man grundsätzliche keine Kompromisse schließen soll. Zugeständnisse dürfen aber nur so weit eingeräumt werden, dass das beste Ziel dann immer noch erreicht wird.

Julie:

Bleibt standhaft, auch wenn euch das Gefühl vermittelt wird, nicht so ernst genommen zu werden, weil ihr weiblich und die jüngste Person im Raum seid. Da hilft nur sachliche Argumentation. Ansonsten finde ich den Austausch mit Freundinnen, die ich im Referendariat kennengelernt habe, nach dem Berufseinstieg unglaublich wichtig, weil man sieht, dass man mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert wird.

In diesem Sinne wünschen wir viel Erfolg!

Katharina Göcken

Mein Name ist Katharina Göcken, ich bin 63 Jahre alt und seit 1992 selbstständige Rechtsanwältin in Düsseldorf in einer eigenen Anwaltskanzlei. Mein Studium habe ich in Bonn absolviert. Nach dem ersten Examen bin ich für die Referendarzeit nach Düsseldorf gezogen und hiergeblieben, weil es so schön ist. Außerdem bin ich seit 1994 Fachanwältin für Arbeitsrecht, bearbeite aber auch weiterhin Mandate aus dem gesamten Zivilrecht, häufig sind Familiensachen dabei.

Julie Charlotte Göcken

Mein Name ist Julie Charlotte Göcken, ich bin 29 Jahre alt und seit etwas mehr als einem Jahr als Rechtsanwältin tätig. Ich komme gebürtig aus Düsseldorf, habe in Bonn studiert und mein Referendariat in Köln absolviert.