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Brückenbauerin zwischen Recht & Technologie

Mit Stationen bei der Hamburgischen Notarkammer und Bundesnotarkammer bis zur Geschäftsführung des Legal Tech Verbands vereint Valerie Keilhau Recht, Wirtschaft und Kommunikation. Ihr Antrieb: den Rechtsmarkt zukunftsfähig machen – und das mit Überzeugung und Netzwerkpower.

Du warst in Schlüsselpositionen bei der Hamburgischen Notarkammer, der Bundesnotarkammer und bist nun Geschäftsführerin des Legal Tech Verbands Deutschland – wie hat sich Dein Karriereweg in diese Richtung entwickelt, und was hat Dich jeweils an den Stationen gereizt?

Neben Jura habe ich auch ein Zusatzstudium in Wirtschaft absolviert und außerdem ein Volontariat im Bereich PR und Kommunikation gemacht. Ich habe mir daher von Anfang an Positionen gesucht, in denen ich meine Expertise aus allen drei Bereichen einsetzen kann. Kammern, Verbände und Stiftungen waren da am naheliegendsten für mich. Angefangen habe ich dann bei der Notarkammer in Hamburg, dort habe ich mich vorallem um das Thema Fachkräftemangel gekümmert und dann nach und nach immer mehr Aufgaben übernommen. Für den Abstecher an die Bundesnotarkammer habe ich mich entschieden, um politische Interessenvertretung kennenzulernen. Die Bundesnotarkammer vertritt national und international die Interessen aller Notarinnen und Notare in Deutschland. Von dort aus habe ich dann zum Legal Tech Verband Deutschland gewechselt. Hieran hat mich besonders die Zusammensetzung unserer Mitglieder und natürlich das Thema Digitalisierung des Rechtsmarkts gereizt. Heute setze ich mich für die Interessen der gesamten Legal Tech Branche ein – von der internationalen Großkanzlei, über Rechtsabteilungen, Verlagen bis hin zu Legal Tech Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Professionen und Menschen reizt mich bis heute sehr.



Du bewegst Dich an der Schnittstelle von Recht, Kommunikation und Technologie – was hat Dein Interesse für Legal Tech geweckt?

Ich arbeite seit Beginn meiner Karriere bei Institutionen, die Akteure am Rechtsmarkt vertreten. Mit den voranschreitenden technologischen Möglichkeiten, hat auch der Rechtsmarkt begonnen, sich stark zu verändern. Wir beim Legal Tech Verband setzen uns aktiv für die Modernisierung und Digitalisierung des Rechtsmarkts ein. Leider gibt es bis heute auch viele Kritiker, die eher bremsen, als die Chancen zu ergreifen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Ich wollte auf jeden Fall zu dem Teil gehören, der nach vorne denkt und mitgestaltet – so bin ich dann auch auf das Thema Legal Tech gestoßen.

 

Wie sieht Dein Arbeitsalltag als Geschäftsführerin des Legal Tech Verbands konkret aus – zwischen politischer Interessenvertretung, Netzwerkpflege und strategischer Verbandsarbeit?

Also die meiste Arbeitszeit verbringe ich schon am Laptop. Wir sind ein „Remote first“ Verband und mein Team und ich sitzen in ganz Deutschland verteilt. Dementsprechend organisieren wir uns über Teams-Meetings und auch der Kontakt zu unseren Mitgliedern ist vornehmlich digitaler Natur. Politische Interessenvertretung ist – abgesehen von der Erstellung von Stellungnahmen –  aber ein „Peoples business“, daher versuche ich viel in Berlin vor Ort und bei Netzwerkevents zu sein. Für den strategischen Teil meiner Arbeit, werde ich vorallem von unserem sehr starken Ehrenamt unterstützt. Ohne Ehrenamt ist Verbandsarbeit quasi unmöglich. Ich kann auf ein starkes Netzwerk aus Personen in meinem Vorstand und Beirat zurückgreifen, die alle hauptberuflich im Bereich Legal Tech tätig sind und die ich jederzeit anrufen kann, um neue Ideen zu besprechen o.Ä. Einmal im Jahr treffen wir uns außerdem auch alle vor Ort, um die strategischen Pfeiler für das neue Geschäftsjahr festzulegen.

Welche Fähigkeiten aus Deinen früheren Rollen – etwa als Pressesprecherin – kommen Dir heute besonders zugute?

Jura ist ein tolles Studienfach, bei dem wir lernen, strukturiert zu denken und uns immer wieder in neue Themenfelder und Sachverhalte einzuarbeiten. Was wir nicht – oder zu wenig – lernen sind dagegen wirtschaftliche Zusammenhänge, kollaboratives Arbeiten oder zielgruppengerechte Kommunikation. Juristische Berufe sind aber lange schon keine „Inselberufe“ mehr. Es reicht nicht mehr nur gut in seinem Rechtsgebiet zu sein. Man muss z.B. auch gut darin sein, Mitarbeiter zu motivieren, sich mit den technischen Entwicklungen zu beschäftigen oder eine Kanzlei wirtschaftlich sinnvoll zu führen. Das alles lernt man nicht im Studium, weshalb mir meine Ausflüge in nicht-juristische Positionen sehr geholfen haben, über den Tellerrand hinauszusehen. Als Pressesprecherin habe ich beispielsweise gelernt, Informationen zielgruppengerecht zu kommunizieren – das hilft mir bis heute extrem weiter.

Was würdest Du Juristinnen raten, die sich für die Legal-Tech-Branche interessieren, aber nicht genau wissen, wie sie den Einstieg finden?

Die Legal Tech Branche bietet eine enorme Bandbreite an spannenden Jobs für Juristen und Nicht-Juristen. Es entstehen gerade auch ganz neue Berufe am Rechtsmarkt, wie z.B. der Legal Engineer, für den bereits das erste Staatsexamen reicht. Als Einstieg am Arbeitsmarkt bietet es sich sicherlich an, sich mit dem Thema Technologie näher zu beschäftigen, denn das ist es, was den „normalen Rechtsmarkt“ vom Legal Tech Markt unterscheidet. Wir nutzen Technologie, um eine effizientere Rechtsberatung und neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Wenn du dich nachhaltig für diese Themen interessierst, lohnt sich ein Blick in unsere Mitgliederliste – hier findest du zahlreiche Player am Legal Tech Markt und bekommst erste Ideen für potenzielle Arbeitgeber. Der Markt ist mittlerweile so groß, dass es sogar eigene Stellenmärkte für Legal Tech Positionen gibt. Außerdem würde ich mit Personen sprechen, die bereits in deinem potenziellen Traumjob arbeiten. Wir „Legal Techis“ sind untereinander sehr hilfsbereit und gut vernetzt. Ich persönlich mache oft Intros und freue mich immer über potenzielle Interessenten. Wenn du noch studierst, könntest du dich auch der studentischen Legal Tech Initiative an deiner Universität anschließen – die gibt es mittlerweile fast an jeder Universität.

Juristische Berufe sind aber lange schon keine „Inselberufe“ mehr. Es reicht nicht mehr nur gut in seinem Rechtsgebiet zu sein. Man muss z.B. auch gut darin sein, Mitarbeiter zu motivieren, sich mit den technischen Entwicklungen zu beschäftigen oder eine Kanzlei wirtschaftlich sinnvoll zu führen.

Valerie Keilhau

Valerie Keilhau ist Volljuristin und Kommunikationsberaterin. Seit über zehn Jahren ist sie als Verbandsjuristin tätig. Aktuell ist sie die Geschäftsführerin des Legal Tech Verband Deutschlands und treibt dort die Digitalisierung des Rechtsmarkts voran.