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Der Mut zum Kurswechsel: Wenn Jura auf Innovation trifft

Natalie Achenbach-Zappolini leitet das Team Legal Digital & Innovation bei PUMA, ist Mutter und hat einen alles andere als linearen Karriereweg hinter sich. Ein Gespräch über KI, Sichtbarkeit und die Kraft mutiger Entscheidungen.

Du leitest ein Legal-Team in Deutschland, das global tätig ist. Welche Entwicklungen in E-Com, IT oder AI beschäftigen Dich aktuell am meisten?

KI-Initiativen sind aktuell ein großes Thema für unser Team, auch im kreativen Bereich. Wir beschäftigen uns viel damit, wie wir einen rechtlich ordentlichen Rahmen für KI-Initiativen bieten können, der gleichzeit Raum für viel Innovation schafft.

Parallel spielt der bunte Strauß an Digitaler Regulierung eine große Rolle, vor allem im Bereich E-Commerce, digitale Plattformen und Verbraucherschutz. Der EU Gesetzgeber ist hier sehr aktiv und schafft regelmäßig neue Anforderungen, die es in enger Abstimmung mit den internen Business Teams umzusetzen gilt.

Und dann gewinnt auch die Nutzung von KI für die eigene Arbeit zunehmend an Bedeutung. Auch da sind die Entwicklungen rasant, was es sehr spannend macht. 

Nach Deiner Zeit in einer Großkanzlei bist Du heute in einem Unternehmen tätig. Wie ist es zu dieser Veränderung gekommen und was hat Dich auf dem Weg besonders geprägt? 

Der Wechsel von der Kanzlei zur Inhouse Tätigkeit kam mit einem Ortswechsel, und der hatte ganz persönliche Gründe – ich bin der Liebe gefolgt, wie man so schön sagt. 😊 Und damit ergaben sich beruflich neue Möglichkeiten.

Ich habe immer versucht, das zu tun, woran ich wirklich Freude habe. Mein Weg ist abwechslungsreich: gestartet habe ich mit Kartellrecht und Litigation, über Compliance, bis hin zur rechtlichen Beratung für Forschung & Entwicklung, Metaverse‑Themen, Digitale Projekte, E‑Commerce. Die Vielfalt macht für mich den Reiz unseres Berufs aus.

Schön ist, dass ich die verschiedenen Facetten der anwaltlichen Tätigkeit sehen durfte. Als externe Anwältin aber auch Inhouse.

Inhouse schätze ich besonders, nah am Business zu sein und Initiativen und Projekte mitgestalten, vorantreiben und umsetzen zu können. Besonders gerne begleite ich Themen, für die es „noch keine fest etablierten Regeln“ gibt – dann können gemeinsam sinnvolle und praxistaugliche Lösungen entwickelt werden.

Bei PUMA habe ich die Chance bekommen, sehr abwechslungsreich zu arbeiten: ein Team aufzubauen, das digitale Projekte, E-Commerce, Tech‑Kooperationen, KI‑Themen und Innovationen rechtlich begleitet. Die Mischung aus internationalem Umfeld, Geschwindigkeit und Gestaltungsfreiheit und vor allem die Zusammenarbeit in einem tollen Team machen mir viel Freude.

Geprägt hat mich das Verständnis, dass der berufliche Weg nicht linear verlaufen muss. Mit unserer breiten juristischen Ausbildung können wir vieles machen und haben die Möglichkeit, bei Bedarf den Kurs zu wechseln. Die besten Entscheidungen waren für mich meist die mutigen: raus aus der Komfortzone, Verantwortung übernehmen für ein neues Rechtsgebiet oder ein neues unbekanntes Thema. Es ist mir wichtig, Freude an dem zu haben was ich tue und mich bei Bedarf neu ausrichten zu können.

Wie erlebst Du es, in Verhandlungen oder Meetings manchmal die einzige Frau zu sein – und wie gehst Du damit um? Welche Tipps kannst Du mit den Leserinnen teilen? 

Inzwischen kommt das tatsächlich selten vor. Da hat sich in den letzten Jahren gefühlt viel getan – das ist eine schöne Entwicklung. Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn war das anders. Ich war oft die einzige Frau und anfangs auch eher leise. Gerade in großen Runden war es eine Herausforderung, aktiv das Wort zu ergreifen und gehört zu werden. Erfreulicherweise habe ich da die positive Erfahrung gemacht, dass das Kollegen manchmal aufgefallen ist und sie mich aktiv zum Redebeitrag aufgefordert haben. Die eigene Stimme zu hören und dadurch einmal bewusst „die innere Hemmschwelle“ zu überwinden hat sehr geholfen. Das hat Selbstbewusstsein aufgebaut. Deshalb auch mein Tipp: Bei Terminen möglichst früh etwas sagen und beitragen. Einfach, um die eigene Stimme zu hören – dann wird die innere Hemmschwelle meistens gleich kleiner.

Ihr setzt Legal Tech und innovative Arbeitsweisen ein. Gibt es ein Projekt oder eine Lösung, die Du besonders wichtig findest?

Was meinen beruflichen Alltag in den letzten Jahren am meisten verändert hat, ist der Einsatz von KI. Das „Wie“ der juristischen Arbeit hat sich dadurch sehr gewandelt: Es wird weniger selbst auf einem weißen Blatt Papier gestartet und geschrieben – stattdessen arbeiten wir mehr mit KI-generierten Entwürfen, die wir inhaltlich prüfen, bewerten und anpassen. Insgesamt ist mein Eindruck, dass wir dadurch mehr Ergebnisse in kürzerer Zeit produzieren.

Ich bin gespannt was hier in den kommenden Jahren noch kommt und freue mich darauf. Mich begeistert, wie rasant sich unser Umfeld verändert. Und wie wir als Juristinnen diese Entwicklungen mitgestalten können.

Du führst ein Team, treibst Innovation voran und bist Mutter von zwei kleinen Kindern. Welche Ansätze helfen Dir, Arbeit und Familie gut zu verbinden?

Fünf Dinge.

Eine gleichberechtigte Partnerschaft, in der Aufgaben zwischen beiden Partnern fair geteilt werden.

Ein sehr gutes Support System. Das kann es in vielfältiger Form geben, Großeltern, Verwandte oder Nachbarn zum Beispiel. In unserem Fall ist es eine großartige Kinderbetreuerin, die uns bei der Betreuung unserer Kinder unterstützt, eine sehr gute Beziehung zu unseren Kindern hat und ihnen guttut. Das ist so viel wert.

Ein tolles Team, in dem wir uns gegenseitig aufeinander verlassen können. Meine Teamkollegen springen auch mal spontan ein, wenn ich kurzfristig familienbedingt eingespannt bin.

Wichtig sind für mich auch ein Arbeitsumfeld und Führungskräfte, die auf die richtigen Ergebnisse zur richtigen Zeit setzen – und nicht primär darauf, wann oder wo ich sie im Detail erarbeite. Ein gewisses Maß an Flexibilität gibt Rückhalt und erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Vorbilder. Spätestens ab dem Studium und beim Berufseinstieg war ich immer umgeben von Frauen (und Männern), bei denen beide Partner Familie und Karriere kombiniert haben. Es war selbstverständlich, dass Frauen berufstätig sind. Zudem haben meine Eltern meinen beruflichen Weg stets unterstützt und mich in meinen Entscheidungen bestärkt. Dadurch hatte ich Vorbilder und es war für mich klar, dass sich das vereinbaren lässt. Natürlich ist es oft eine Herausforderung – aber eine, die sich gemeinsam meistern lässt. Und: Netzwerke wie die Paragraphinnen spielen da meines Erachtens eine wichtige Rolle. Denn Austausch, Unterstützung und Vorbilder machen einen enormen Unterschied.

Die besten Entscheidungen waren für mich meist die mutigen.

Natalie Achenbach-Zappolini

Natalie Achenbach-Zappolini ist Director Legal Affairs Digital & Innovation bei PUMA SE. Sie verantwortet die rechtliche Betreuung der digitalen und innovativen Geschäftsbereiche und leitet das Team Digital & Innovation Legal am Standort Herzogenaurach. In ihrer Rolle arbeitet sie eng mit Digital und Tech, E‑Commerce und Innovation zusammen und begleitet strategische Transformations‑ und Innovationsprojekte aus rechtlicher Perspektive.